Bilder fotografieren
Warum gute Reproduktionen entscheidend sind und wie man sie ohne professionelles Equipment realisiert
Der überwiegende Teil von Galerie- und Museumswebsites besteht aus Bildern. Wenn diese nicht überzeugen, leidet der gesamte Auftritt. Schlechte Reproduktionen, unausgewogene Belichtung, ausgebrannte Deckenleuchten in Installationsansichten oder übersteigerte Kontraste lassen selbst gute Arbeiten beliebig und unprofessionell erscheinen. Die Folge ist ein visuelles Durcheinander, das dem Werk nicht gerecht wird.
Im Gegensatz dazu erzeugen hochwertige Reproduktionen bei etablierten Galerien unmittelbar einen Eindruck von Seriosität und Professionalität. Für Künstler sind sie von besonderem Wert: Online sind die Bilder der erste und oft einzige Kontakt zu potenziellen Sammlern, Kuratoren oder Galeristen. Entsprechend müssen sie dieselbe Professionalität ausstrahlen wie die Arbeiten selbst.
Geht das ohne Fotograf und teure Kamera?
Ja. Hochwertige Reproduktionen lassen sich auch ohne professionelle Fotografen realisieren – und sogar ohne High-End-Kamera. Ich erstelle die Reproduktionen und Installationsansichten für meine Galerie selbst. Alle Bilder auf meiner Website stammen aus eigener Produktion. Während Installationsansichten technisch anspruchsvoller sind, lassen sich Repros im Atelier einfach umsetzen.
Was man wirklich braucht
Der technische Aufwand ist überschaubar:
- ein stabiles Stativ
- ein Smartphone mit guter Kamera oder eine Digitalkamera
- Bildbearbeitung mit Photoshop oder Lightroom
Wer regelmäßig Reproduktionen anfertigt und langfristig Kosten sparen möchte, ist mit einer älteren, hochwertigen Kamera (z.B. Canon 6D) gut beraten. Modelle, die 10 bis 15 Jahre alt sind, erreichen für diesen Zweck bis zu 90 Prozent der Qualität aktueller High-End-Kameras und sind gebraucht oft für 300–400 Euro erhältlich. Grundsätzlich funktioniert der Prozess jedoch auch mit einem Smartphone.
Die entscheidenden Faktoren
Unabhängig vom Equipment sind einige Punkte nicht verhandelbar:
- Gleichmäßiges Licht
Idealerweise diffuses Tageslicht, etwa bei bewölktem Himmel. Harte Lichtquellen oder Mischlicht sollten vermieden werden. - Stabile Kameraposition
Ein Stativ sorgt für Schärfe, Wiederholbarkeit und Ausrichtung. - Korrekte Farbigkeit
Eine Farbkarte stellt sicher, dass Farben nicht abweichen. Der Abgleich erfolgt in Lightroom oder Photoshop und erfordert kaum Vorkenntnisse. - Retouchung
Verzerrungen, perspektivische Korrekturen, gleichmäßige Helligkeit und ein neutraler Weißabgleich des Hintergrunds lassen sich zienlich einfach in Photoshop umsetzen.
Mit diesem Setup lassen sich Reproduktionen erzeugen, die sich qualitativ sehr nah an professionellen Studioaufnahmen bewegen. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern Verlässlichkeit: konsistente Farben, ruhige Hintergründe, klare Linien.
In dem folgenden Video zeige ich den gesamten Prozess — einmal mit dem Smartphone, einmal mit einer Spiegelreflexkamera — und erkläre Schritt für Schritt, wie Reproduktionen entstehen, die mindestens 90 Prozent der Qualität professioneller Fotografien erreichen.
Gute Repros sind kein Nebenschauplatz. Sie sind die Grundlage dafür, wie eure Arbeit online wahrgenommen wird — und damit ein zentraler Bestandteil eurer künstlerischen Präsenz.
