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Wie man ein Auge für Kunst entwickelt
Wie Sie Geschmack für Kunst entwickeln – Anregungen von Sammler:innen und Expert:innen
Den persönlichen Kunstgeschmack zu formen, ist keine Linearbewegung – es ist ein fortlaufender Prozess. Oft beginnt man mit einem Impuls: ein Werk berührt, eine Ausstellung beeindruckt. Mit der Zeit wächst daraus ein innere Orientierung, die Ästhetik, Intuition und Wissen verbindet. Im Folgenden finden Sie Methoden und Gedanken, mit denen Expert:innen ihr Kunstverständnis verfeinern – und wie auch Sie davon profitieren können.
1. Sehen Sie möglichst viel Kunst – bewusst und aktiv
Der wichtigste Baustein: Vielfalt und Quantität. Stellen Sie sich bewusst Ausstellungen, Galerien, Museen, kleinere Offspaces und alternative Kunsträume aus – auch jenseits Ihrer gewohnten Präferenzen.
Jede Begegnung schärft Ihr Auge: Sie beginnen Unterschiede in Qualität, Materialität und Konzept wahrzunehmen.
Auch Ausstellungen, die Sie zunächst wenig interessieren, bringen Referenzpunkte – sie lehren, was Sie nicht wollen, und helfen damit, Ihren Geschmack zu verfeinern.
Wenn Reisen möglich ist: Nehmen Sie jede Gelegenheit wahr, Orte mit herausragender Kunstszene zu besuchen. In anderen Städten eröffnen sich neue Impulse.
Darüber hinaus: virtuelle Ausstellungen, Online-Kataloge und digitale Rundgänge ergänzen den Zugang und erweitern den Blick über geografische Grenzen hinweg.
2. Vertrauen Sie Ihrer körperlichen Reaktion
Kunst ist nicht nur visuell – sie wirkt emotional und körperlich. Oft sagt die spontane Empfindung mehr als eine rationale Analyse.
Sitzen Sie vor einem Werk, lassen Sie es auf sich wirken – wie reagiert Ihr Körper? Wo entsteht Spannung, Ruhe oder Unbehagen?
Diese körperliche Resonanz – das, was in Ihnen “ankommt” – darf eine wichtige Stimme sein.
Gleichzeitig kann man mit der Zeit lernen, diese Intuition mit Reflexion zu ergänzen, z. B. durch Fragen wie: Welcher Kontext, welches Thema oder welche Technik spricht mich an?
So entsteht eine Balance aus Empfindung und Analyse.
3. Lernen Sie Künstler:innen kennen – ihre Gedanken, Strategien, Biografie
Hinter jedem Kunstwerk steht ein Mensch mit Visionen, Prägungen und Arbeitsweisen. Wer sich mit dem Künstler oder der Künstlerin auseinandersetzt, erweitert sein Verständnis und die Verbindung zu ihren Werken.
Lesen Sie Texte, Interviews, Künstlermanifeste oder Essays über ihre Arbeit.
Besuchen Sie Studioöffnungen oder Residencies, wenn möglich. Der direkte Einblick in Werkstattprozesse kann neue Perspektiven eröffnen.
Hinterfragen Sie: Welche Themen verfolgt der Künstler? Wie entwickelt sich seine Praxis? Welche Position bezieht er zur Kunstgeschichte oder Gesellschaft?
So wird das Werk nicht nur gesehen, sondern verstanden.
4. Netzwerken – Austausch als Inspirationsquelle
Der Dialog mit Gleichgesinnten, Kurator:innen oder Galerist:innen bringt Anregungen, Korrekturen und Horizonterweiterung.
Besuchen Sie Vernissagen, Diskussionsrunden oder Künstler:innen-Events.
Stellen Sie Fragen, auch wenn Ihnen eine Antwort zunächst simpel vorkommt. Meist bringen gerade diese Gespräche neue Sichtweisen.
Nutzen Sie Sammler-Communities oder Kunstvereine – dort werden Chancen sichtbar, die allein schwer zu entdecken sind.
Wichtig: Nicht nur ums Kaufen geht es – sondern um Gespräch, Austausch, Beobachtung.
5. Verstehen Sie den Kunstmarkt – mit Distanz
Der Markt liefert Hinweise auf Trends, Preise und Nachfrage – aber er darf nicht Ihr alleiniger Maßstab sein.
Verfolgen Sie Auktionsergebnisse, Verkaufsdaten oder Markt-Plattformen, um ein Gespür für Wertentwicklungen zu bekommen.
Achten Sie auch auf “verdeckte Transaktionen” oder private Verkäufe – nicht alles erscheint öffentlich.
Wichtig: Vermeiden Sie, dass der Markt Ihren Geschmack dominiert. Ein Werk soll Ihnen gefallen, nicht allein Rendite versprechen.
Den Markt zu kennen, heißt verstehen – nicht beherrschen.


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